Von der ersten Atlantiküberquerung bis zu internationalen Regatten auf klassischen America’s-Cup-Yachten: Segeln verbindet für mich den Umgang mit den Elementen, technisches Verständnis und die Kraft einer guten Crew.
TORALF FEUCHTENHOFER · THE PERSONAL EDITION
THE SAILOR / 02
Foto: Felix Diemer
Segeln verbindet vieles, was mich fasziniert: die Kraft der Elemente, das Zusammenspiel unterschiedlicher Menschen und die Frage, wie man auch unter wechselnden Bedingungen seinen Kurs findet.
Angefangen hat alles in der Schule. Ein segelbegeisterter Lehrer brachte uns aufs Wasser und vermittelte uns, was Segeln mit Physik, Navigation und Teamarbeit zu tun hat. Was damals als Schulfach begann, wurde zu einem festen Teil meines Lebens.
Faszination Zwölfer
Zwölfer sind für mich mehr als klassische Yachten. Die 12mR-Boote standen in ihrer jeweiligen Zeit für das Streben nach der besten Lösung. In ihnen treffen Konstruktion, Handwerk und sportlicher Ehrgeiz aufeinander.
Über viele Jahre durfte ich auf diesen Yachten Regatten segeln. Ich wurde mit meinen Crews Vizeweltmeister, Vizeeuropameister und Europameister. Hinter diesen Erfolgen stehen Erfahrung, Vertrauen und die gemeinsame Arbeit vieler Menschen an Bord.
Foto: Samaras
Was treibt Entwicklung an?
Mich fasziniert der Entwicklergeist hinter solchen Booten. Jede Epoche hat ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Und immer gibt es Menschen, die herausfinden wollen, was darüber hinaus möglich ist.
Diese Neugier begleitet mich auch im Beruf. Mich interessiert nicht nur, wo wir heute stehen, sondern was als Nächstes entstehen kann. Was lässt sich weiterdenken? Welche Ideen werden möglich, wenn Erfahrung und neue Technologie zusammenkommen?
Das Meer und große Herausforderungen verändern den Blick
Meine erste Atlantiküberquerung bleibt eine besondere Erfahrung. Die Weite des Meeres, die wechselnden Sternbilder und ein Sturm haben mir früh gezeigt, wie viel eine Crew gemeinsam bewältigen kann. Sie haben mir auch Respekt vor den Elementen und den eigenen Grenzen vermittelt.
Auf dem Meer verändert sich der Blick auf das, was wirklich wichtig ist. Die Natur gibt die Bedingungen vor. Wie wir damit umgehen, entscheiden wir gemeinsam an Bord.
Foto: Sommerwerck Photography
Jede Regatta stellt neue Fragen
Mich reizen große Offshore-Regatten wie das Fastnet Race ebenso wie die Copa del Rey. Ich liebe es, eine ganze Saison lang mit einer Crew auf einem Zwölfer in einer Regattaserie zu segeln, in manchen Jahren gekrönt von einer Weltmeisterschaft. Und ich freue mich genauso über eine lokale Wettfahrt auf einem vertrauten Gewässer.
Jede Regatta hat ihren eigenen Charakter und verlangt Aufmerksamkeit und gutes Zusammenspiel. Auf der Regattabahn faszinieren mich die Suche nach der besseren Lösung und die Intuition für den richtigen Moment. Offshore kommt hinzu, auch über längere Zeit und unter schwierigen Bedingungen klar zu bleiben.
Am Ende sind es für mich immer die Menschen an Bord, die den Unterschied machen. Aus unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Persönlichkeiten kann eine Crew entstehen, die gemeinsam über sich hinauswächst.